Archiv für Oktober 2007

1997

Es ist spät, doch ich kann nicht schlafen. Ich lag im Bett, und plötzlich dachte ich daran was vor zehn Jahren war. 1997. Vor zehn Jahren schmiss ich mein Abi, oder den Versuch es nachzumachen. Das erste Mal auf der ZOOM. Ein lauer Sommerabend, eine zauberhafte Nacht. Niemals werde ich diese Nacht vergessen, die der Anfang von so vielen folgenden Festivals werden sollte. Und all die Partys danach, all die Menschen, die Gesichter, die Lichter, und der Eindruck in einer warmen Sommernacht auf einer Wiese zu stehen, umhüllt von wunderbaren Menschen, und bestrahlt vom Sternenhimmel. Dafür gibt es keine Worte, die diese Eindrücke würdig beschreiben könnten. Das war lange bevor kleine Menschen beschlossen mein Leben zu ruinieren. Es war in einer Welt, die mir jedenfalls unendlich aufregend schien, voller Wunder und Rätsel, die es zu entdecken und zu erforschen galt. Ein großes Spiel, Leben genannt, in dem man nur aus dem Vollen schöpfen musste. Damals war ich glücklich. Vor zehn Jahren. Wer hätte gedacht dass die Zeit so schnell vergehen könnte.

Streik

Nun haben die Bahngewerkschaften (oder wenigstens ein Teil von ihnen) endlich begriffen was für eine Macht sie in ihren Händen halten, und wie sie diese Macht positiv nutzen können. Gab es jemals einen Bahnstreik in Deutschland mit solchen Ausmaßen? Gab es überhaupt je einen Streik mit solchen Auswirkungen in diesem Land? Es war lange überfällig, dass die Arbeiter eines so wichtigen Bereiches zeigten, dass ohne sie in diesem Land nichts geht, und dass sie ihre Arbeitskraft auch dazu nutzten, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wie wäre es wohl, wenn auch andere Gewerkschaften und Berufszweige erkennen könnten, welches Potential in ihrer Arbeitskraft liegt, und welchen verheerenden Schaden die Verweigerung derselben ausrichten kann. Schaden vor allem für die Renditeinteressen ihrer Chefs. Es mag wohl viel zu früh sein angesichts dieser Tatsachen von einer Morgenröte am deutschen Arbeiterhimmel zu sprechen, doch so langsam fangen manche Arbeitnehmer an ihre wahren Kräfte und Möglichkeiten zu erkennen.

Gnade

Sie beten zu ihrem Gott, jeden Tag,
beten um Vergebung ihrer Sünden, um Seelenheil.
Jeden Tag sprechen Milliarden zu ihren Göttern, und hoffen auf Gnade.

Und während sie noch bitten, passieren abermals tausendfache Gräueltaten, überall.
Ihr Gott will sie nicht erhören, er stellt sich taub.

All ihre Schreie und ihre Leiden, die unsäglichen Schmerzen.
Könnte da nicht ein Wort des größten Wesens Abhilfe schaffen?

Doch wie sie da bitten und betteln, und hoffen auf Gnade,
und sich wünschen ein Ende ihrer Leiden,
so sind doch sie die grausamsten Geschöpfe unter der Sonne.

Keine Träne kommt über ihre Wangen wenn sie die Kehlen der Tiere durchschneiden,
kein Mitleid verschwendet ihre kostbare Zeit,
in den Schlachthäusern dieser Erde.

Die Familie knabbert am knusprigen Braten einer Gans,
Der Bauarbeiter kaut gemütlich sein belegtes Brot,
das er mit gekochtem Schinken genießt.
Er weiß nicht, dass das Schwein von dem es stammt schon Mutter war.

Jeden Tag unter dieser Sonne sterben mehr Tiere für unsere Nahrung,
als wir es uns vorstellen können.
Wie könnte es auf dieser Erde jemals gerecht zugehen,
solange wir dieses unfassbare globale Holocaust anrichten?

Wie könnten wir jemals Gnade erfahren – angesichts unserer Taten.