was ist der Seeheimer Kreis?

Sie sind dieser Tage medial präsent, die Rechten in der SPD, die sich selber „Pragmatiker“ nennen und welche die Sozialdemokratie gerne als soziale Abrissbirne wie in den guten, neuen Zeiten von Gasprom-Schröder und RWE-Clement sehen. Am Montag, dem 10. März war im ZDF-Morgenmagazin der Sprecher des „Seeheimer Kreises“, Johannes Kahrs, zugegen als Interviewpartner.

Wer ist Johannes Kahrs? Das lohnt sich zu wissen – um zu wissen wofür er steht. Kahrs ist seit 1982 Mitglied der SPD und ist erstmals 1992 durch seinen Telefonterror gegen die SPD-Linke Silke Dose in Hamburg aufgefallen:

„Im Mai 1992 erstattete eine Hamburger Juso-Funktionärin Anzeige wegen wiederholter nächtlicher anonymer Telefonanrufe. Sie vermutete einen Stalker, eine Fangschaltung der Ermittler ergab allerdings Kahrs als Anrufer. Das Strafverfahren gegen Kahrs, in dem er von Ole von Beust vertreten wurde, wurde gegen Zahlung eines Bußgeldes von 800 DM eingestellt. Daraufhin wurde er erfolglos im August 1992 von über 50 Hamburger Sozialdemokraten zum Rücktritt von allen politischen Ämtern aufgefordert“.
http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Johannes_Kahrs

Zimperlich war Johannes Kahrs in seiner Mission gegen die SPD-Linke weißgott nicht, wie die Hamburger Morgenpost vom 04.09.1998 zu berichten weiß:

„Ich krieg‘ dich, du Schlampe‘, hatte der spätere SPD Bundestagskandidat Johannes Kahrs seiner Genossin Silke Dose 1992 bei nächtlichem Telefonterror in den Hörer geraunt. Es ging um Juso-Flügelkämpfe; eine Fangschaltung überführte Kahrs.
http://archiv.mopo.de/archiv/1998/199809…0327223617.html

Kahrs hat nicht nur im Bereich Frauenbelästigung Erfahrung, er wurde auch schon frühzeitig bekannt für sein Informationsinteresse am politischen Gegner, also der Linken. Interessant ist deshalb diese Informationen über den überzeugten Reserveoffizier und ehemaligen Bundessprecher der rechten studentischen Verbindung „Wingolf-Bund“, zit. nach der TAZ Hamburg vom 01.12.1995:

„Nach einem Bericht der Zeitschrift ‚BISS‘ speichert er im Computer die politische Orientierung von SPD-Mitgliedern. Eine Augenzeugin: ‚Linke bekommen ein Sternchen, Rechte bleiben sauber‘. Politisch gilt Kahrs in der SPD als Rechtsaußen. So forderte er auf dem letzten Landesparteitag vehement die Wieder-Einführung geschlossener Kinderheime: Problem-Kids gehören weggesperrt. Privat hat Kahrs ein besonderes Hobby. Der Reserveoffizier, der gerne damit prahlt, daß er es ‚jedes Jahr auf drei Monate Reserveübungen gebracht‘ hätte, posiert gerne in vollem Wichs für die studentische Verbindung ‚Wingolf-Bund‘ (Wahlspruch: Gott, Freiheit, Vaterland). Jahrelang war er gar der Bundessprecher der deutschtümelnden Männer-Gilde“.
http://www.nadir.org/nadir/periodika/ana…ia/br_1/br1.htm (ganz unten)

Kahrs ist mittlerweile stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestags und ein treuer Angestellter der deutschen Rüstungslobby, die ihn großzügig finanziert. Es wird nun etwas glitschig um Kahrs und seine „Spender“, aber wir wollen den Blick in den Abgrund mal wagen:

Rheinmetall:
Laut einem Artikel des Hamburger Abendblatts vom 14.06.2006 hat der Rüstungskonzern Rheinmetall für den Bundestagswahlkampf 2005 eine Parteispende unter der Veröffentlichungsgrenze von 10.000 Euro an Kahrs‘ Kreisverband Hamburg Mitte gezahlt. ‚Problematisch sei an dieser Spende die Tatsache, dass Kahrs für die SPD im Verteidigungs- und im Haushaltsausschuss des Bundestags sitzt. In diesem Zusammenhang forderte Dagmar Schröder, Geschäftsführerin von Transparency International Deutschland, dass auch kleine Spenden transparent gemacht werden müssen, um eventuelle Verdachtsmomente schon im Vorfeld aus dem Weg zu räumen.‘ Auch Ulrich Müller, Geschäftsführer von Lobbycontrol, sieht Anstandsgrenzen verletzt: ‚Eine Person, die in diesem Ausmaß Wahlkampfspenden von Seiten der Rüstungsindustrie annimmt, ist nicht mehr unabhängig. Kahrs ist Rüstungslobbyist und kein Vertreter des Volkes mehr.‘ Das sieht Kahrs jedoch in der Hamburger Morgenpost vom 16.09.2006 anders: ‚Wenn ich Lobbyist bin, dann für meinen Wahlkreis‘.“
http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Johannes_Kahrs

Die genaue Höhe der Rüstungsspende wollte Kahrs allerdings nicht nennen, so viel Lobbyismus gönnt er sich und Rheinmetall dann doch:
http://www.abendblatt.de/daten/2006/06/14/573357.html
Kahrs, der den Präsidien des Förderkreises Deutsches Heer e.V. und ebenfalls der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. angehört und Schatzmeister des Rüstungslobbyclubs „Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.“ ist, wird allerdings auch von Krauss-Maffei Wegmann unterstützt für seinen „Anti-Lobbyismus“:

Krauss-Maffei Wegmann:
Die Welt berichtet am 21.09.2006, daß ebenfalls eine Spende vom Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann – knapp unter der Veröffentlichungsgrenze von 10.000 Euro – an Kahrs‘ Kreisverband Hamburg-Mitte geflossen ist. Die Frankfurter Rundschau berichtet am 13.10.2006 unter dem Titel: ‚Parteispenden: In Kahrs‘ Unterbezirk ist die Rüstungsindustrie großzügig‘ von insgesamt mehr als 60.000 Euro, die aus der Rüstungsindustrie geflossen sind . Woher allerdings die Rüstungsindustrie wusste, das Johannes Kahrs ein halbes Jahr später im Haushaltsausschuss für ihren Bereich zuständig sein wird, bleibt rätselhaft, zumal zum Zeitpunkt der Spenden in den Umfragen eine klare Mehrheit für eine Koalition aus Union/FDP bestand (http://www.election.de). Interessant ist auch, das auf der vom Internet-Dienst election.de veröffentlichten Liste der vom Bundestag relevanten Parteispenden, der Name Johannes Kahrs nicht auftaucht (http://www.btw05.de)“.
http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Johannes_Kahrs